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Literas Universitätsverlag
ISBN: 3-85429-160-4
Eine Reihe von Autoren hat das Tuberkulosegeschehen in Wien bereits
bearbeitet. Es gibt darüber viele Publikationen. Besonders
hervorzuheben sind die historischen Studien von Sigismund P e l l e r,
die wissenschaftlichen Arbeiten von Ludwig T e l e k y, die
statistischen Analysen von Siegfried R o s e n f e l d, die fürsorgebezogenen
und sozialmedizinischen Referate von Alfred G ö t z l, die
seuchenmedizinischen Aspekte von Alfred F i s c h e r und die
epidemiologischen Rückblicke von Hans K l i m a. Eine vollständige
Zusammenfassung der Entwicklung der Tuberkulose in der Hauptstadt Österreichs
ist bisher nicht erfolgt. Die Autoren dieses Buches haben versucht, eine
übersichtliche Darstellung über den Verlauf dieser letzten großen
„klassischen Seuche" zu geben, die in der Bevölkerung Wiens während
der letzten zweihundert Jahre mehr Opfer gefordert hat als alle anderen
Seuchen oder Kriegsereignisse. Immer in der Stadt gegenwärtig starben
an dieser heimtückischen Infektionskrankheit mehr Kinder und Erwachsene
als es die vorhandenen Statistiken auszusagen vermögen. Das große Leid
wurde von der Bevölkerung schicksalhaft ertragen, und die Ärzte
mussten hilflos zusehen, wie ihre Tuberkulosekranken entweder von einem
raschen Tod dahingerafft oder nach langem Siechtum vom Tod erlöst
wurden. Die Kranken starben in Massensälen der schlecht ausgestatteten
Spitäler oder in einem Winkel der armseligen Wohnungen. Die „gute
alte Zeit" war nicht schön, und nur wenige Publizisten wagten es,
das Elend in der prächtigen Kaiserstadt aufzuzeigen. Bedeutsam war nur
der durch die Tuberkulose verursachte Verlust an Soldaten. Erst das 20.
Jahrhundert brachte durch soziale Errungenschaften den Kranken, die bis
dahin auf spärlich fließende Almosen angewiesen waren, wirksame Hilfe
und Heilungschancen. Vielerorts wird der gefallenen Krieger gedacht, den
hunderttausenden Tuberkulosetoten hat noch niemand ein Denkmal gesetzt.
Die Autoren dieses Buches versuchten, die sozialen und medizinischen
Probleme, die die Tuberkulose in der Stadt Wien verursacht hatte,
aufzuzeigen, die epidemiologische Entwicklung dieser Seuche zu verfolgen
und die Leistungen der Personen und Institutionen, die sich besondere
Verdienste bei der Tuberkulosebekämpfung erworben haben, zu würdigen.
Dieses Buch ist eine Gemeinschaftsarbeit. Der I. Abschnitt wurde von E.
Junker, der II. von G. Wallner und der III. von Frau B. Schmidgruber
gestaltet.
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